Es ist oftmals nur ein kleiner Blick oder ein nettes Dankeschön für ein leckeres Essen. Schon hat man sein Kompliment an die Person gerichtet. Aber es ist scheinbar doch so unfassbar schwierig anderen Menschen Komplimente zu schenken. Ich frage mich immer wieder warum das so ist. Ich kenne Situationen, in denen ich dann jemandem einfach mal Danke gesagt habe, weil er so ist wie er ist. Schon kamen Aussagen wie “Na ist doch selbstverständlich” oder “Son Quatsch, dass du dich DAFÜR bedankst!”. Ich finde es nicht Quatsch. Seinen Mitmenschen sowas zu sagen, tut einfach sehr gut. Für beide Seiten.

Was ist ein Kompliment?

Ein Kompliment soll bei jedem Menschen etwas Erfreuliches auslösen. Wenn ich dir also sage, dass du ein sympathischer Mensch bist, dann ist das von meiner Seite aus positiv gerichtet. Ein Kompliment soll dich weder verunsichern, noch ein anderes schlechtes Gefühl auslösen. Wenn eine nette Aussage dir gegenüber bei dir falsch ankommt, dann ist es oftmals gar nicht böse gemeint. Dann ist es das Beste, wenn du offen zugibst, dass es gerade nicht so ankam wie vielleicht gewollt. So können Unstimmigkeiten beseitigt werden.

Feedback geben an andere Menschen

Welche Arten von Komplimenten gibt es?

  • Aussagen
  • Materielles
  • Taten

Ich habe das einfach mal in drei Kategorien gepackt. Alle drei Kategorien haben eins gemeinsam, denn alle Komplimentarten können versteckte Messages beinhalten. Das ist quasi wie das Familienmitglied, das dir jeden Geburtstag ein Duschgel schenkt. Auch hier könnte sich eine Message verstecken, wenn du dir das Duschgel nicht explizit gewünscht hast. Wenn dir also nicht klar ist, wofür du das Kompliment bekommst oder was die Person dir gegenüber genau von dir will, frag nach. Kommunikation ist in allen Lebenslagen und Situationen das Wichtigste! Ohne Kommunikation gibt es viel zu viel Streit oder unnötige Diskussionen.

Die Aussage

Die offensichtlichste Art ist die Aussage, denn diese richten wir direkt an jemanden. Beispiele: Ich …

  • finde, dass du hübsch bist.
  • mag deine spontane Art total gern!
  • empfinde dich als einen Ruhepol, den ich brauche.

Das sind alles wahnsinnig schöne Komplimente und zeigen dem anderen etwas Zwischenmenschliches, das zwischen euch ist. Ich mag solche zwischenmenschlichen Komplimente sehr, da es die Bindung zueinander zeigt und individueller geht es wohl gar nicht.

Materielle Dinge

Mit materiellen Dingen kann man Menschen einfach mal “Danke” sagen oder sowas wie “Schön, dass du in meinem Leben bist.” Ich habe meiner Ma beispielsweise regelmäßig Blumen geschenkt. Blumen verschönern die Wohnung und sind ein tolles Medium, um “Hab dich lieb” zu sagen. Hier muss man trotzdem aufpassen, dass man nicht Blumen schenkt, gegen die der andere allergisch ist. Meiner Mutter schenke ich niemals Lilien, da sie hochallergisch gegen sie ist. Was ich auch toll finde, wenn mir jemand mein Lieblingsessen oder -süßigkeit kauft. Das zeigt mir, dass derjenige mich kennt und mir damit eine Freude machen möchte. Gibt auf jeden Fall Pluspunkte! Gute Beispiele:

  • Blumen (aufpassen, wegen Allergie)
  • Schokolade (auch hier auf Allergie oder Unverträglichkeiten achten)
  • Lieblings- essen, süßigkeit, duft, pflanze, …

Wo die richtigen Komplimente machen

Die Taten

Materielle Dinge und Taten sind recht ähnlich. Du denkst bei der Besorgung dieses Mediums ja an den Menschen und das hat in dem Moment eine tiefere Bedeutung. Wenn es ausschließlich um Taten geht, dann erfreut es mich eine Umarmung zu bekommen. Für mich ist es auch ein Kompliment meine Nachbarin zu fragen, ob sie auf meine Haustiere im Urlaub aufpasst und meine Pflanzen gießen kann. Bedeutet ja, dass ich ihr sehr vertraue, sie mag und ihr das zutraue. Nun ist es natürlich an ihrer Entscheidung, ob sie das machen möchte. Ein indirektes Kompliment habe ich ihr damit ja trotzdem gemacht. Also auch in solchen Bitten oder Fragen stecken tiefgründigere Dinge. Beispiele nochmal verkürzt aufgeschrieben:

  • Umarmung, Kuss (körperliche Nähe)
  • jemanden an etwas Wichtiges erinnern (als Art “Erinnerungsfunktion”)
  • ein Mitbringsel mitbringen (die Geste zählt hierbei)
  • jemandem Vertrauen entgegenbringen durch Taten (Haustiere im Urlaub aufpassen, Gassi gehen lassen, Pflanzen gießen lassen etc)

Wie wirken Komplimente auf unsere Gesundheit?

Durch positive Ereignisse werden Glückshormone ausgeschüttet. (Mehr Infos zu Glückshormonen) Ein Kompliment wirkt also mindestens genauso gut wie Schokolade. Aber eigentlich steckt da sogar noch mehr hinter als “nur” ein Glückshormon. Denn ein Kompliment stärkt vieles in uns und zu dem anderen Menschen.

  • Bindung zueinander wird gefestigt
  • eigenes Selbstbewusstsein und Selbstwertgefühl steigen
  • bessere Wahrnehmung von sich selbst
  • lernen von Offenheit
  • besserer Umgang von Feedback

Der Komplimente-Erhalter

Als Kompliment-Erhalter ist es ein tolles Gefühl etwas ernst gemeint Nettes gesagt zu bekommen. Dadurch stärkt sich das Selbstwertgefühl und das Selbstbewusstsein, denn es ist wie Salbe auf der Seele. Wenn mir mein bester Freund ein Kompliment macht, dann hält er mir quasi einen Spiegel vor die Nase und zeigt mir seine Sicht von meiner Person. Mich rührt das meist zu Tränen, weil ich einfach so sensibel bin. Er sagte mir mal, dass ich mich unterschätze und das gar nicht brauche. Was meinst du wie ich da geheult habe, weil er einfach recht hat? Und wenn es nur ein kleiner Stein mehr ist, den ich bewegen kann, aber es mir nicht zutraue. Es macht so viel mit einem diesen Spiegel vor die Nase gehalten zu bekommen und ehrliches Feedback zu erhalten. So lernte ich auch mich selbst besser wahrzunehmen.

Wie macht man Komplimente?

Der Komplimente-Macher

Wenn du natürlich der Komplimente-Macher bist, dann ist das eine super Übung. Offen mit der positiven Meinung umzugehen, ist unfassbar wertvoll. Sagst du jemandem den ganzen Tag, was er nicht gut macht, kann er nicht wissen, was er überhaupt richtig oder gut macht. Deshalb ist es so wichtig auch positive Dinge anzusprechen und diese auch mal zu zeigen oder zu sagen. Ich kenne einen Menschen sehr gut, der keine positiven Dinge sagen kann. Weil er es für “selbstverständlich” hält. Weil es doch “normal” ist. Wenn ich demjenigen sage, dass wir ein schönes Gespräch zusammen hatten, dann ist das für denjenigen pillepalle. Als Komplimente-Macher übst du Offenheit, festigst die Bindung zueinander und teilst mit dem anderen ein unfassbar wertvolles Geschenk.

Menschen, die keine Komplimente vergeben können + Praxistipp

Wie mit meinem Beispiel eben: Es ist für diese Menschen kein Unmögliches es zu lernen. Komplimente machen und/oder annehmen muss nämlich gelernt werden. Wer kein Feedback geben kann und darin nicht geschult wird, wird es auch nicht von selbst auf Knopfdruck können. Deshalb hatte ich mir Anfang des Jahres ausgedacht jede Woche eine Art Feedbackrunde einzuführen. Das kannst du mit der Familie machen, in der WG, unter Freunden oder oder oder! Wenn es öfter mal Zuhause kracht wegen Kleinigkeiten, ist es einfach super die ganze Situation Woche für Woche zu entschleunigen. So arten Konflikte nicht immer wieder aus und man sagt sich diese Dinge auch offener, wenn die Situation gerade passt. Klingt vielleicht erstmal total bescheuert, aber ehrlich, es bringt was! Was du dafür brauchst:

  • etwas, worauf du schreiben kannst
  • einen Stift

Ich habe für jede Woche eine Feedbackrunde einberufen, weshalb ich das jede Woche mache. Ich schreibe die Namen der anderen auf mit + (für Positives) und – (für Negatives) und “Wunsch”. Um zu lernen wie man Feedback gibt und empfängt, schreibt man nun äußerst positive Dinge, Negatives und vielleicht sogar einen Wunsch an denjenigen auf. Dabei ist es wichtig, dass man “Ich-Sätze” aufschreibt oder formuliert. “Ich habe es negativ empfunden, dass du …” oder “Ich fand es toll, dass du …”. Beispiele sollten hierbei immer aufgeführt werden, denn dann kann man es anhand der Situation einfach besser festmachen. “Du hattest in der Situation XYZ so reagiert und ich empfand das irgendwie nicht so toll.” Du kannst diese Feedbackrunde nicht nur an andere Menschen richten, sondern auch an dich selbst. “Ich finde, dass du, Sarah, die Woche super gemeistert hast, weil du dies gemacht hast und dabei sehr ruhig geblieben bist …”

Wie Komplimente annehmen?

Kompliment als Eisbrecher?

Viele Menschen sind auch sehr verschlossen, weshalb man selten hinter die Fassade blicken kann. Lange Zeit hatte ich mal Kontakt zu jemandem, mit dem ich mich sehr gut unterhalten konnte. Derjenige war trotzdem sehr verschlossen und demjenigen sagte ich, dass sie mir sehr verschlossen vorkommt, aber ich glaube sie sei sehr sensibel. Aber aufgeschlossen und unfassbar liebenswert. Und ich unfassbar gern ein Mensch sein möchte, der nicht immer mit der Fassade spricht. Das hat das Eis zwischen uns gebrochen und nun war es meine Aufgabe, dass ich die andere Person nicht enttäusche. Dass ich diesem Menschen nicht wehtue, sondern damit sensibel umgehe, dass derjenige sich ohne Fassade und verletzlich zeigt. Wenn es menschlich hinhaut, kann man dem Menschen den Spiegel einmal zeigen, um das Eis zu brechen.

Wie das richtige Kompliment machen?

Es gibt oft Situationen in meinem Leben, in denen ich creepy Komplimente mache. Vor allem wenn ich negative Komplimente verneine. “Du bist nicht kacke.” Klingt vielleicht besonders blöd, aber jeder musste deshalb immer lachen und sagen “Ja dankeschön, Sarah!”. Ich glaube, damit kam mein Kompliment doch irgendwie gut an. Nett gemeinte Sachen können aber auch nicht so gut ankommen. Wenn mich damals jemand auf meine Zahnlücke angesprochen hätte und meinte, “Deine Zahnlücke macht dich irgendwie noch sympathischer!”, dann wäre es vielleicht nicht so gut bei mir angekommen. In dem Moment spricht man ein Makel an mir an, was mir unangenehm ist. Heute ist meine Einstellung zu meiner Zahnlücke eine ganz andere. Für gewisse Komplimente sollten gewisse Dinge einfach stimmen.

  • spontan und ehrlich gemeint
  • den anderen gut kennen für tiefgründige Komplimente
  • nicht einstudiert wirken

Wie soll ich denn darauf reagieren?

Wenn ich ein Kompliment bekomme, dann sage ich in den meisten Fällen “Dankeschön”. Das ist der wichtigste Tipp. Einfach Dankeschön, da es ein Geschenk des anderen ist. Du musst dich für nichts rechtfertigen oder irgendetwas erwidern und dem anderen auch ein Kompliment machen. Das ist überhaupt gar nicht nötig. Mach dich vor allem nicht danach selbst kleiner als du bist, denn das ist für den Komplimente-Macher verletzend und wäre so als ob du sein Geschenk nicht toll fandest. Wenn es jemand ehrlich gemeint hat, dann ist ein Danke die beste und einzige würdevolle Variante das Kompliment anzunehmen.

Saso